Bloginterview mit Hans-Georg von queergedacht.de und elbe-penthouse.de

Aufgeschrieben von Holger am 12. Mai 2009 in und

Im zweiten Blog-Interview möchte ich Hans-Georg vorstellen, der gleich zwei Blogs betreibt. Hans-Georg und seinen Freund kennen wir schon ziemlich lange auch persönlich.

1. Deine Blogs sind unter queergedacht.de und elbe-penthouse.de zu erreichen. Seit wann blogst du und was bedeutet es dir?

Begonnen habe ich Anfang 2002. Mein Blog hatte seinerzeit einen anderen Namen und war eine Subdomain von einer anderen Seite von mir. In erster Linie ist das Blog ein Tagebuch. Manchmal schaue ich im Archiv nach, wann ein bestimmtes Ereignis gewesen ist. Es kommt vor, dass bloggen für mich als Ventil dient, z.B. wenn ich mich über etwas geärgert habe, sei es im politischen, gesellschaftlichen oder im privaten Bereich. Ich hoffe, mit meinen Gedanken Menschen zu erreichen, die die gleichen Interessen haben wie ich – oder auch die gleichen Probleme – damit man sich austauschen kann. Ab und zu versuche ich auch, mit meinen Gedanken zu einigen Themen zu provozieren.

2. Bekommst du außer über die Kommentare noch anderes Feedback zu deinen Blogs? Würdest du auch ohne Kommentar-Funktion bloggen?

Außerhalb der Kommentarfunktion bekomme ich selten Feedback, es kommt aber schon mal vor. Anfangs habe ich ohne Kommentarfunktion geschrieben. Ich würde es auch heute noch machen, allerdings ist mit den Kommentaren interessanter.

3. Wie viel Zeit verbringst du im Schnitt pro Woche mit deinen eigenen Blogs?

Wenn ich das richtig einschätze, sind es etwa maximal 2 – 3 Stunden pro Woche.

4. Ich weiß, dass du dir sehr viel Arbeit damit machst bzw. gemacht hast, Beiträge aus deinem alten Blogsystem ins neue zu übertragen, gerade weil deine Blogs für dich auch eine Art Tagebuch sind, in denen du auch Jahre später noch gern stöberst. Wie siehst du persönlich die Zukunft beider Blogs und der Blogs im Allgemeinen?

Das Elbe-Penthouse ist ja ein sogenanntes Baublog. Da wir jetzt schon mehr als 1 Jahr im Elbe-Penthouse wohnen, gibt es nicht mehr so viel zu berichten. Wie man sehen kann, ist das Blog aber nicht tot, ab und zu gibt es auch mal Neuigkeiten. Wer ein Haus oder eine Wohnung sein Eigen nennt, hat immer mal etwas, worüber er berichten kann. Deshalb wird das Elbe-Penthouse auch weiterhin fortgeführt.

Queergedacht ist aus meiner Sicht ein Blog voller Leben und ich beabsichtige derzeit nicht, damit aufzuhören.

Manchmal gibt es ein “crossover” sodass ich entscheiden muss, in welchem Blog darüber schreibe. Ich habe auch schon in beiden Blogs den gleichen Beitrag veröffentlicht.

Generell sehe ich im “blogging” großes Potenzial, was Meinungsbildung und Nachrichtenaustausch angeht. Der große Erfolg der Petition zur Änderung des Telemediengesetzes ist z.B. u.a. auch darauf zurückzuführen, dass darüber in diversen Weblogs berichtet wurde. Auch ich habe auf dem Weg davon erfahren und habe die Petition unterschrieben. Auch die Sache mit der Eisdiele in Berlin, in der Schwule und Lesben diskriminiert worden sind, ist durch die Bloggerwelt gegangen wie ein Lauffeuer. Es wurde zum Boykott dieser Eisdiele aufgerufen. Ein Kiss In wurde veranstaltet und die Eisdiele musste wegen der Menschenmassen einige Stunden schließen. Blogger sind auch Konsumenten und Kunden. Negative wie positive Erfahrungen können über Blogs verbreitet werden und das Kundenverhalten beeinflussen, ja, ich gehe soweit zu behaupten, dass auch politisch Einfluss genommen werden kann, wenn sich genügend Blogger mit einem Thema beschäftigen.


Hans-Georg

5. Welches Mitspracherecht hat dein Freund bei deinen Beiträgen? Liest er sie bevor du sie veröffentlichst, sprichst du Themen mit ihm ab und hat er auch schon mal Einwände?

Es kommt vor, dass ich unsicher bin, ob ich über ein Thema schreiben soll oder nicht. Dann frage ich meinen Freund um Rat. Er hat mir auch schon mal abgeraten, über dies oder jenes zu schreiben. Grundsätzlich liest er meine Beiträge nicht vor der Veröffentlichung, es sei denn, ich bitte ihn darum. Er macht mir auch schon mal Vorschläge, über was ich schreiben könnte.

6. Blogst du eher spontan oder bereitest du deine Beiträge vor?

Das ist unterschiedlich. Wenn ich sie vorbereite, dann nur gedanklich, z.B. während einer Reise oder in einer schlaflosen Nacht. Die Beiträge werden von mir direkt und ohne Entwurf in das System geschrieben. Manchmal werden sie aber kurz nach der Veröffentlichung noch schnell wieder verändert.

7. Du blogst unter deinem richtigen Namen. Schränkt dich das ein in dem was du schreibst, oder anders gefragt, würdest du andere Themen anschneiden wenn dein Blog anonymer wäre?

Im beruflichen Bereich bin ich inzwischen vorsichtiger geworden. Aus dieser Sparte habe ich auch ein oder zwei Beiträge bei der Übertragung aus dem alten in das neue Weblog nicht berücksichtigt. Bei allen anderen Themen mache ich kein Hehl aus meiner Meinung. Wenn ich meinen Namen im Weblog nicht nennen würde, wäre es trotzdem für Leute, die es interessiert, ein Leichtes herauszufinden, wem denn die Domain gehört. Insofern ist es eh egal, ob der Name im Impressum erscheint oder nicht. Es ist aber schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn ich anhand der Statistik entdecke, dass ich mit meinem vollen Namen bei Google gesucht worden bin.

8. Was war dein schönstes Blog-Erlebnis?

Das schönste am Bloggen ist, dass ich viele nette Menschen kennengelernt habe, leider die meisten davon bislang nicht im realen Leben.

9. Sicherlich gab es auch bei dir, wie bei vielen anderen Bloggern, schon mal den Gedanken damit aufzuhören. Wenn ja, was war der Grund und was hat dich dazu bewogen, weiter zu bloggen?

Dieser Gedanke ist mir bisher ernsthaft noch nicht gekommen.

10. Wie viele Blogger hast du schon persönlich kennen gelernt?

Es sind in den 7 Jahren meines Bloggerlebens leider nur 5 Personen (in alphabetischer Reihenfolge):
Anne, Holger, Karin, Lucki und Tim.

Ich wünsche und hoffe sehr, dass es bald mehr werden.

Viele Leser würde jetzt bestimmt auch noch interessieren von wo aus du deine Beiträge verfasst. Zeigst du es uns?

Vielen Dank

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Kommentare

Lena meinte am 12. Mai 2009

Das mit den Bloginterviews ist echt eine schöne Sache und eine super Idee!Was hat dich denn dazu inspiriert?Ganz liebe Grüße euch Pinnebergern!Lena

Holger meinte am 12. Mai 2009

War halt mal so eine Idee. Hätte auch nicht gedacht das fast jeder, den ich angeschrieben hab mitmacht.

Anette/Frau Waldspecht meinte am 12. Mai 2009

Schöne Idee und interessante Fragen …
Und ebenso interessante Antworten.
Ich bleib am Ball und bin neugierig, wer noch interviewt wird …
Liebe Grüße, Anette

Inge aus HH meinte am 12. Mai 2009

Wirklich alles prima. Hat Spaß gemacht intelligente Fragen und Antworten zu lesen. Hab noch einen schönen Abend!
Herzliche Grüße von Inge aus HH

Anke meinte am 13. Mai 2009

Hallo Holger,
das ist wirklich eine gute Idee!!!! Das Interview mit Hans Georg gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Wünsche dir noch einen angenehmen Tag.
Liebe Grüße, Anke

trulla meinte am 14. Mai 2009

ein interview wie ein stöckchen. schön.

Lutz und Tommy meinte am 14. Mai 2009

Wir lesen das blog von Hans-Georg schon mehrere Jahre und haben dadurch viel über ihn und sein Leben erfahren.
Interessant, durch dieses Interview mal einen “Blick hinter die Kulissen” des Blogschreibens zu erhalten.

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