Bloginterview mit Rich von der Jausenstation

Aufgeschrieben von Holger am 7. Juni 2009 in und

Das heutige Interview habe ich mit Rich von der Jausenstation geführt, dessen Untertitel “Ein Österreicher und sein schwuler Arzt in Berlin” mich doch tatsächlich ein wenig in die Irre geführt hat. Aber Aufklärung folgt jetzt.

1. Dein Blog Jausenstation erblickte (laut Archiv) vor etwas über zwei Jahren das Licht der Blogosphäre. Gabs davor andere Internet-Aktivitäten von dir?

Nichts, über was ich sprechen sollte, meint mein Arzt. Ich war halt jung und leichtsinnig.

2. Wer zum ersten mal bei dir liest, dem stellen sich gleich mehrere Fragen. Was ist die Jausenstation? Hält dort ein Zug? Und warum nennt sich der Autor Rich Rubin?

Die Jausenstation ist in Österreich ein Gasthaus. Dort kehren Österreicher für eine kleine Zwischenmahlzeit, die Jause, ein. Großen Bahnhof gibt es da eher nicht. Und Rich Rubin? C’est moi.

3. Dem Untertitel zu folgen führst du ja eine Fernbeziehung. Ist dein Blog auch eine Mittel, deinem Freund (oder ist er tatsächlich nur dein Arzt?) ein wenig mehr an deinem Leben teilhaben zu lassen, wenn ihr euch nicht seht?

Ein Österreicher und sein schwuler Arzt in Berlin? Fernbeziehung? Hoppala, so kann man den Untertitel ja auch lesen! Aber es ist nicht so. Mein Arzt und ich leben nach sechs Monaten schmachtender Fernbeziehung bereits ein Zeiterl beide in Berlin. Und wenn wir schon dabei sind den Untertitel zu interpretieren: Ich bin auch schwul, nicht nur mein Arzt. Und der Arzt ist mein Mann. Aber Stopp: Mach es nicht komplizierter als es ist, sagt mein Arzt gerade.

4. Welchen Grund hattest du mit dem Bloggen anzufangen?

Mein Arzt und ich sind von Wien nach München und dann nach Berlin gezogen. Unsere Freunde in Österreich haben alle einzeln per Mail angefragt: Wie geht’s euch so? Da fanden wir es praktisch, mit der Jausenstation alle gleichzeitig auf den aktuellen Stand zu bringen. Mittlerweile koppelte sich die Jausenstation ab und Österreicher sind nur mehr in der Minderzahl zu Gast. Deshalb kriegt auch jeder Austriazismus im Text einen didaktisch wertvollen Link zu einer Übersetzung. Ich will ja gern verstanden werden.

5. Bereitest du deine Beiträge vor, oder blogst du spontan?

Manche Beiträge reifen ein bisserl offline vor sich hin, um serviert zu werden. Celebrity Clashes müssen jedoch frisch gebloggt sein, damit sie schmecken. Clash-Bumm-Bäng sozusagen.

6. Welche Themen sind in Deinem Blog tabu?

Alles, was unter die Schweigepflicht fällt, denn auch für mich gilt das Arztgattengeheimnis.

7. Was findest du das schöne am Bloggen im Vergleich zu anderen Möglichkeiten sich im Netz mitzuteilen?

Bloggen ist für mich durch Blogosphäre und Blogroll schön kuschelig. I just love my little world.

8. Thema Kommentare: Wundert es dich manchmal auch, das Beiträge von denen man glaubt hier müsste es Kommentare hageln manchmal kommentarlos bleiben, andere ich sag mal eher banale, schnell dahin geschriebene Beiträge nur so von Kommentaren überschwemmt werden (nicht nur bezogen auf dein Blog, sondern auch auf andere)?

Ja, darüber grüble ich manchmal sehr. Die Gäste sind halt launisch, aber ich habe sie dank Google Analytics trotzdem alle lieb. Und ist mein Gesprächsbedürfnis zu einem Beitrag ungestillt, konsultiere ich meinen Arzt, der muss das dann auffangen.

9. Für mich ist das Blog ja auch so eine Art Tagebuch, deshalb unternehme ich ziemlich viel, damit keine der Beiträge z.B. durch einen Wechsel der Software oder einem Serverumzug verloren geht. Wie ist das bei dir. Hängst du genauso an deinen alten Beiträgen?

Nach zwei Jahren Jausenstation noch nicht. Aber kürzlich fragte ich mich erstmals: Was haben dein Arzt und du exakt vor zwei Jahren erlebt? Und dann im eigenen Archiv geblättert. Das wird also noch, das Sentimentale.

10. Würde dir das Bloggen fehlen, wenn es die Möglichkeit plötzlich nicht mehr gäbe?

Ja, sehr.

Viele Leser würde jetzt bestimmt auch noch interessieren von wo aus du deine Beiträge verfasst. Zeigst du es uns?

Derzeit schreibe ich meist im Schatten junger Erdbeerblüte für die Jausenstation.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

Gerne. Vielen Dank, dass Du gefragt hast.

Share

Kommentare

Kommentar (notwendig)

Name (notwendig)
eMail (wird verschlüsselt)
http://